dit war aber wieder…

Da war er wieder dieser Geruch. Kaum, dass die ersten ernst zunehmenden Sonnenstrahlen die schwarze Fleischabfalltonne im Innenhof aufheizten, flimmerte der süßlich- widerliche Verwesungsgeruch der Tierreste aus der Vietnamesenküche durch die unteren Schichten der Luft. Im Sommer wurde der Geruch oft so unerträglich, dass man sich fragte, ob in diesen Containern nicht doch die Leiche irgend einer armen Seele von Imbißkoch vor sich hinmoderte, der die panierten Hühnerbeine im Krabbenfett hatte schwarz werden lassen. Aber schmeckte Menschenfleisch nicht angeblich auch nach Hühnchen? Also wer konnte schon sagen, ob hier Menschen- oder Hühnerbrust die Luft verpestete…                                                                                                                                                          Mit der flachen Hand spaltete ich die dicke Luft vor mir keilförmig auseinander und hechtete durch die Lücke. Kurz bevor ich die andere Seite erreiche hatte, schloss sie sich wieder und er Kadaverdunst strömte in meine unvorbereiteten, nach Atem ringenden Nasenlöcher. Den Weg durch das dreckige, halb kaputte Treppenhaus, für dessen „Reinigung“ die Vermieterkraken jedes Jahr mehr Geld aus einem rausquetschten, verbrachte ich damit, lautstark Luft aus meiner Nase zu pusten, in der Hoffnung, die Erinnerung an das eben Erlebte so schnell wie möglich zu verdrängen. Die Nachbarin, die im dritten Stock gerade aus der Tür kam, als hätte sie hinter dem Türspion nur darauf gewartet mich abzupassen, sah mich mitleidig an und dachte auf Grund meines Schnaubens wohl, ich sei einem Herzinfarkt nahe. Auf jeden Fall meinte sie „Ach du meine Herren!“ Auch für sie seinen die vielen Stufen eine einzige Plagerei und „Ach in der alten Wohnung“ sei so eine schöner Aufzug gewesen. Ich nickte ihr, noch lauter schnaubend, in zwischen war ich wirklich außer Atem, zu und ging die letzten Stufen zum vierten Stock. Meine Nachbarin wünschte mir noch einen schönen Tag, was ich gerade so mit einem „Ihnen auch“ erwidern konnte. Keuchend stand ich vor meiner kackbraunen Wohnungstür mit den vielen Einbruchsspuren rund um das Schloss, die meisten von mir selbst, als ich mich betrunken ausgesperrt oder nur den Schlüssel in meiner Hosentasche nicht mehr gefunden hatte, die tieferen von echten Einbruchsversuchen und suchte an meinem Bund den passenden Silberbart. Ich hörte, wie meine Nachbarin noch einmal ansetzte zu reden: „Dit war aber wieder sehr laut am Wochenende!“ Das Schloss klickte und ich taumelte in meinen Flur. wl