Silberfische am Horizont – Kapitel 2

Silberfische am Horizont – Kapitel 2

Rückblickend konnte man sagen, dass das Leben der Menschen im Großen und Ganzen schon immer ein ziemlicher Mist gewesen war. Das Universum ließ die Erde durch ihre Galaxien wabern und sah zu, wie die Menschen auf ihr hin und her kullerten. Mal mehr und mal weniger erfolgreich schaffte es die Menschheit sich in den Pausen des galaktischen Bowlings aufzurappeln und sich für den Wimpernschlag einiger Jahrhunderte der Illusion hinzugeben, sie würde sich weiterentwickeln und zu Höherem streben, als nur der Nahrungsaufnahme und der Fortpflanzung.
Gegen Anfang des 21. Jahrhunderts, so etwa ab dem Jahr 2017 neigte sich eine ungewöhnlich lange Hochphase der Menschheit langsam aber sicher ihrem Ende zu. Die Anzeichen waren überall und deutlich zu sehen. Auch wenn viele es natürlich nicht wahrhaben wollten – es liegt nun einmal in der Natur des Menschen, drohende Gefahren zu ignorieren, je größer die Gefahr, desto vehementer – so war doch im Grunde klar, dass das Universum, das die Erde für einen Moment lang halbwegs ruhig in der Hand gehalten hatte, sie schon bald würde fallen lassen.

Tabor war gewiss keiner dieser Menschen, die sich irgendeiner Illusion hingaben, was sowohl ihre eigene Vergänglichkeit als auch die Vergänglichkeit der andauernden Phase des humanoiden Höhenfluges anbelangte. Nun hatte er keineswegs resigniert und sich vollends der Verdummung hingegeben, war er doch der Meinung, man müsse dem abnehmenden Interesse des Universums alles entgegensetzen, und das bis zur letzen Sekunde, was man als Mensch zu vermögen in der Lage war. Aufzuhalten aber, das war ihm klar, war das ganze freilich nicht mehr.
So, oder zumindest ähnlich dachten wohl viele Stadtbewohner, die sich zu dieser Zeit in Berlin tummelten und mit Demonstrationen, Facebookposts und Onlinepetitionen versuchten, das nahende Ende hinauszuzögern und sich zugleich doch ihrer Machtlosigkeit bewusst genug waren, um sich dem Müßiggang in einer Vollendung hinzugeben, wie ihn weder ihre Eltern noch deren Eltern oder Großeltern gesehen hatten und eigentlich auch sonst niemand, soweit man sich zurück entsinnen konnte.
In diesem Spannungsfeld also, zwischen Tragik und Frohsinn, zwischen der Sehnsucht nach anderen Zeiten und dem unbedingten Leben im Jetzt, zwischen dem Wunsch, sich zu erheben und dem Wissen der Unterlegenheit, spielte sich das Leben Tabors ab und sorgte mit konstanter Gewissheit für eine hochgradige Unkonstante. Für Ebbe und Flut, für die Notwendigkeit ständiger Wachsamkeit und die vollendete Gabe, eben diese Wachsamkeit nur all zu schnell zu vernachlässigen. WL

Silberfische am Horizont (Ausschnitt Kapitel 8)

Er legte Bachs Cello Suiten in der Aufnahme von Anne Gastinel von 2008 auf. BWV 1007 bis 1012. Es gab kaum bessere Musik wenn man allein war, dachte er. Die Erhabenheit der barocken Komposition, die einen unverhohlen aufrechter gehen ließ und sich wie ein Filter zwischen einen selbst und die Realität legte. Und dennoch klang das Cello so unglaublich modern. Ein fast elektrisch perfekter, minimalistischer Klang, der doch analoger nicht sein konnte. Er konnte den Widersprich nicht auflösen, aber das war nicht schlimm. Genau dieser Widerspruch übte eine Faszination auf ihn aus, die schwer zu greifen war. Musik, die so alt war und dennoch nichts eingebüßt hatte. Sie war noch immer perfekt. Drei Jahrhunderte und unzählige Epochen später. Er war nur 35 Jahre alt und hatte schon mehr Musikstile und Interpreten kommen und gehen sehen, als das gesamte 18. und 19. Jahrhundert zusammen, aber etwas von solcher Größe? Vielleicht gab es sie, aber sie gingen unter in der gigantischen Woge der tausenden von Liedern, die täglich irgendwo auf der Welt online gestellt wurden um Sekundenbruchteile später wie tobende Gischt über uns hereinzubrechen. Wer kam da noch hinterher? Unzählige Stile und noch mehr Unterarten. Erst gab es Disko, House, dann Techno. Heute gibt es Deep House, Tech House, Techno, richtigen Techno, Acid, Trance, Gabba, Hardcore, Downtempo, Ketatechno, weiß der Teufel was. Und dann natürlich noch Abarten wie EMD und Schlimmeres. Und alle grenzten sie sich von einender ab. Durch Kleidung, durch Tanzstil, durch eigene Festivals und Torten, die von Pseudo- DJ- Bühnen geworfen wurden. Nicht einmal mehr Nationalhymnen konnten die Leuten heute noch musikalisch zusammenbringen. Und erst recht nicht eine musikalische Katastrophe wie die deutsche. Aber das war auch gut. Hymnen auf Staatengebilde tragen nichts Gutes in sich. Niemals.

Das Knallen eines Mülltonnendeckels im Hof riss ihn aus seinen Gedanken. Tabor ging ans Fenster. Es hatte ganz leicht begonnen zu schneien. Nur ganz wenige, watteweiße Flocken, man glaubte beinahe sie zahlen zu können, segelten wie in Zeitlupe Richtung Boden. Die Luft vor dem Fenster wirkte unnatürlich starr und bewegungslos. Wie ein Bild, wie eine Momentaufnahme ohne jede Regung. Selbst der neonweiße Lichtkegel der kleinen, von einem Bewegungsmelder ausgelösten Röhre, die die Mülltonnen im Hof beleuchtete, wirkte wie eine schlecht gelungene Stelle im Bild, die man heller gemalt hatte um den Schein von Licht nachzuahmen, das auf schwarze Kunststoffbehälter und moosgrün bewachsenen Beton fiel. Fast war es, als wäre dort gar keine Luft mehr, sonder nur noch ein zweidimensionaler, luftleerer Raum, der sich langsam verfestigte und zu einem trostlosen Gemälde großstädtischer Tristesse wurde. Wie grotesk dachte Tabor. Die hässlichen, stinkenden Mülltonnen hatten sie beleuchtet, um die Pfandsammler und Plünderer in der Nacht abzuschrecken, während das liebevoll von der Prostituierten aus dem Erdgeschoss gepflegte Blumenbeet komplett im Dunkeln liegt. Bullshit. Tabor ließ vorsichtig die beiden weißen Lamellenjalousien herunter, die, sich leicht überlappend, die alten Doppelfenster verdeckten. Die erste glitt mit einem leichten Klacken auf das Fensterbrett, die zweite kam ihm etwa auf halber Höhe aus und sauste mit einem metallischem Scheppern auf die Heizung. Als er sie anhob spürte er die aufsteigende Wärme des Heizkörpers und hielt für einen Moment seine Hände mit gespreizten Fingern darüber. Er konnte nicht mehr sagen, ob er einige Sekunde so verharrt hatte oder einige Minuten. Er trat einen Schritt zurück ins Zimmer. Seine Beine schmerzten vom vielen Gehen und sein Kopf sauste vom Whiskey. Er klappte seinen Laptop auf und suchte nach anderer Musik. Er klickte sich durch die Bibliothek, spielte einige Titel kurz an, nur um sie sofort wieder zu stoppen. Schließlich entschied er sich für Simian Mobile Disco – Hades Rocket. Der drückte das Playsymbol und sackte auf das Sofa. Die Stereoanlage war von Bach noch etwas zu laut eingestellt für die Uhrzeit, aber es würde sich niemand beschweren. Am Leopoldplatz kümmert sich jeder um seinen eigenen Scheiß. Sein Kopf nickte im Takt des einsetzen Basses. Seine Beine zuckten und forderten ihn heraus. Er drückte gegen den Schmerz in seinen Beinen, stieß sich hoch von der Couch und begann langsam zu tanzen. Der Alkohol pochte in seinem Kopf und ließ seine Gedanken verschwimmen. Er tanzte schneller. Schweiß machte sich auf seinem Körper breit. Das schachbrettartige Muster des Teppichs wuchs empor und durchzog den Raum wie ein Gitternetz. Er schloss die Augen. Sein Herzschlag wurde schneller und ging über in die Bassfrequenz der Musik. Der Rausch trug ihn mitten hinein, vorwärts, hinaus aus dem Zimmer, über die Stadt, direkt in die Unendlichkeit der Nacht. Er tanzt und tanzte und tanzte, bis seine Beine ihm irgendwann nicht mehr gehorchten, er auf den Teppich zusammensackte und einschlief.

Sein Schlaf war durchzogen von wirren Träumen. Eine Frau, die ihm bekannt vorkam, fragte ihn, ob er ein Sandwich haben wollte. Er versuchte ihr Gesicht zu erkennen, aber egal aus welcher Perspektive er es auch betrachtete, konnte er immer nur ihre kinnlangen, blonden Haare und eine Nasenspitze erkennen, von der er sicher war, sie schon einmal gesehen zu haben. Aber er wollte sich einfach nicht erinnern, zu wem sie gehörte. Nach einiger Zeit gab er es auf und fragte, was es denn für ein Sandwich sei. Sie antwortete: „Ein Silberfischsandwich, ganz frisch!“

Silberfische am Horizont (Auszug, Kapitel I)

Die untergehende Novembersonne stand so tief, wie es Tabor noch nie zuvor gesehen hatte. Zumindest konnte er sich nicht erinnern, schon jemals so direkt und ohne den Kopf auch nur einen Zentimeter zu heben, in ihre Strahlen geblickt zu haben. Obwohl es leicht regnete, stanzte die Sonne unendlich lange Zylinder in die staubige Luft und füllte sie mit dickflüssigem Honig. Jeder Atemstoß aus Nase und Mund ließ abertausende Partikel in wilden Strudeln in die Strahlen gleiten und es war, als würden sie in ein Paralleluniversum geschleudert und auf eine Reise geschickt, deren ungutes Ende bereits vorgezeichnet war.

Tabor versuchte das Rauschen des Regens zu hören, aber die lichten Tropfen des abflauenden Sturm waren nicht mehr stark genug um gegen den Lärm der Stadt im Berufsverkehr anzukommen. Er musste ans Meer denken und daran, wie lange er schon nicht mehr dort gewesen war. Sicherlich, er hatte vor einigen Wochen einen Tag an der Nordsee verbracht, beruflich, aber das war nicht das Meer, das er meinte. Er dachte an das Meer seiner Kindheit, das verbunden war mit Sonne und weiten Stränden. Mit Ferien und Erdbeereis und dieser unbegreiflichen Unbeschwertheit, die man nur als Kind haben kann, wenn man noch nicht weiß, was das Leben für einen noch an Stolpersteinen vorgesehen hat. Auch wenn er, damals mit sechs Jahren, schon eine leise Vorahnung hatte. Wie ein Flüstern in stillen Momenten, wie knisterndes Pergament, ein unheilvolles Säuseln in einer tiefen Windung seines Gehirns. Aber wirklich deuten konnte er es damals freilich noch nicht.

Sein Telefon machte einen Klicklaut und kündigte eine Nachricht an. Ein Freund fragte ihn, ob sie etwas Essen gehen wollten. Ein Freund? War er wirklich ein Freund oder nur ein Bekannter, mit dem er zufällig einmal gearbeitet hatte und mit dem er den Hang zu exzessivem Rausch teilte? Er wusste es nicht. Dieses Freunde Ding hatte er noch nie vollkommen begriffen. Auch wenn er zwei alte und, wie selbst glaubte, sehr gute Freunde hatte, die er in regelmäßigen Abständen besuchte, und selbst wenn diese ihn wie einen Bruder sahen, war er sich nie sicher, ob er das selbe fühlte wie sie. Es hat immer diesen letzten Rest an innerer Finsternis, den er nie mit ihnen teilen würde können.

Das Restaurant, dass sein Freund vorgeschlagen hatte war nur ein kurzes Stück zurück in Richtung des Büros, aus dem Tabor gerade nach Hause fuhr und er entscheid sich auszusteigen und umzudrehen. Er hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen und ohnehin musste er mehr unter Leute. Kollegen auf der Arbeit sind nicht die Sorte Sozialkontakte, die einen langfristig voranbringen. Er warf einen kurzen Blick auf seinen Kalender: Er hatte sich für heute nichts mehr eingetragen. Als er durch die weich zischende Hydrauliktür des Busses nach draußen stieg, war der Regen verschwunden. Auch der Wind hatte abgeflacht, aber er war noch immer typisch unangenehm für das spätherbstliche Berlin. Tabor schlug den Kragen seines grauen Mantels nach oben und vergrub die Hände in den Jackentaschen.

Er hielt einen Moment inne, als er durch die Tür des Restaurants schritt und sog die von exotischen Gerüchen durchzogene Wäre des Raumes in sich auf. Sein Blick lief suchend über die Gesichter. Es schien ihm, als würden sie sich wie in Zeitlupe bewegen. Essen in sich hineinschaufelnd und mit Alkohol herunterspülend. Abgerissenes, dumpfes Lachen. Klirren von Gläser, die aneinandergestoßen wurden und das Rauschen unzähliger, gedämpfter Gespräche ließen die Luft in einer anderen Frequenz schwingen und sein Gehirn musste sich erst langsam daran gewöhnen. An einem länglichen Tisch aus schwerem, dunklem Holz direkt am Fenster entdeckte er das Gesicht seines Bekannten. Auf dem Tisch standen bereits zwei volle Gläser Rotwein. […]

Überholspur

Wie eine Erlösung brach der erste warme Tag seit Wochen in den frühen Mai. Noch zogen dünne Bänder aus kalter Luft durch die sonnenwarmen Straßen und vollendeten das Hochgefühl des sich bahnbrechenden Frühlings auf der windgestreiften Haut, die sanft ihre Härchen aufstellte.
Hasan grinste breit über das ganze Gesicht und warf das Kinn nach vorne: „Gib ma ne Kippe Digga!“ Willibald kramte die grünen Pall Mall aus der Tasche, nahm zwei der weißen Glimmstängel in den Mund, zündete sie an und gab eine an Hasan weiter. „Du mit Deinen scheiß Mentolkippen man. Kannst Du nichts Normales rauchen wie jeder  andere? he, he, he!“ Er grinste noch breiter und zog den Rauch der Zigarette tief ein. Willibald lächelte nur und blinzelte in die Sonne. Er stieß den Rauch geräuschvoll durch die Nasenlöcher aus und hilt kurz inne, bevor er den nächsten Zug nahm. Einen verfickt guten Deal hatten sie da gelandet. Fast zu gut um wahr zu sein. Er hörte Hasan irgend etwas von „Jetzt sind wir am Drücker Alter“ sagen, aber es kam wie durch einen Filter, wie die Stimme eines Moderators aus einem ganz leise gedrehten Radio. Er sah den Autos hinterher, die die Kantstraße hinunter richtige Savignyplatz rauschten. Ein AMG mit heruntergelassenen Scheiben und aufgedrehtem Haftbefehl ließ seinen Motor aufbrüllen und heizte auf der Busspur an den übrigen Autos vorbei bis er vor einem DHL Lieferwagen abrupt zum Stehen kam. Er versuchte sich in die Spur neben ihm zurückzudrängen, aber die Autos standen dicht an dicht und er musste warten, bis alle an ihm vorbei waren. Er fuhr über Rot. Wieder auf der Busspur.
Hasan schlug ihm mit der flachen Rückhand gegen die Schulter „Ey hör mir ma zu man! Was los mit dir Digga? Wir dürfen das jetzt nicht verkacken!“ Willibald drehte sich zu ihm um, stieß noch einmal Rauch durch die Nase, setzte sein zuversichtlichstes Gesicht auf und antwortete: „Easy Bruder, das machen wir mit Links!“ und boxte Hasan in die Seite. „Ja man, das wollte ich hören“ grinste Hasan und legte seine tätowierte Hand auf Willis Schulter. „Wer wenn nicht wir man?“. Willi grinste: „Eben!“ Er schnippte den Zigarettenstummel in einen Gullideckel, steckte die Hände in die Taschen und versuchte sein mulmiges Gefühl runterzuspielen. Innerlich wer er sich da ganz und gar nicht sicher…

Der Zeitreisende

Oktober (Auszug aus „Offener Vollzug“)

Die Tage im Gefängnis sind seltsam. Die kurzen Nächte und das Fehlen von Ablenkung, Freizeitgestaltungsmöglichkeiten und geeigneten Gesprächspartnern lassen einen schnell einsam werden, wenn man die Zeit mit sich selbst nicht zu nutzen weiß. Hier zeigt sich im Besonderen eine Eigenschaft der Zeit: Über einen längeren Zeitraum hinweg bewegt sich Zeit immer gleich schnell. Aber innerhalb eines Zeitfensters kann Zeit sich zusammenziehen und ausdehnen. Ein Tag im Offenen Vollzug quält sich mühsam und langsam über die vierundzwanzig Stunden und führst einem jede Stunde, jede Minute und jede einzelne Sekunde die eigene, aufgezwungene Untätigkeit vor Augen. Jedoch auf Wochen-, Monats- oder gar Jahressicht rast die Zeit an einem vorbei wie vom Pendel der ewigen Uhr über den Rand der Welt gerissen! Es ist beinahe so, als wäre man innerhalb der Zäune des Gefängnisses in einer Zeitblase gefangen, in der die Zeit sich zur maximalen Länge ausdehnt, während außerhalb das Universum vorbei rauscht und man nicht die geringste Chance hat, dem zu folgen, was sich dort Lichtjahr für Lichtjahr abspielt. Wie ein Film in Zeitraffer, in den man nicht mehr eingreifen kann. Und schafft man es an einem der wenigen Tage sich für ein paar Stunden aus der Blase zu befreien, ist das, was man zu erreichen suchte längst Vergangenheit und nur der Nachhall einst vertrauter Ereignisse steift noch über den Kopf des Zeitreisenden.

Willibald raffte die Kapuze seiner dünnen, schwarzen Jacke um den Hals und versucht die schneidende Kälte der kristallklaren Oktoberluft, die vor zwei Tagen mit einem Mal, plötzlich über Nacht und ohne Vorwarnung so kalt geworden war, dass man eigentlich schon eine Winterjacke hätte anzeigen sollen, abzuschirmen. Seine rechte Hand war eiskalt und steif, weil er im Gehen telefoniert hatte. Die rettende Wäre des M29 war wie immer zu spät. Ohnehin war der Fahrplan eigentlich kaum mehr als Dekoration. Der Bus kam, wann er kam. In den letzten Tagen hatte er oft daran denken müssen. Ans Gefängnis, die endlosen Tage und seine Einsamkeit. Fast genau ein Jahr war es her, an einem Montag, dass er zum ersten mal durch den unscheinbaren Eingang der JVA des Offenen Vollzugs gegangen war und sechs Monate und drei Tage hatte es gedauert, bis er zum letzen Mal durch ihn hindurchgegangen war. Dass er gerade jetzt so oft daran dachte hatte aber noch einen anderen Grund. Dar war dieser Anruf am Sonntag gewesen. Als hätte er gerade erst aufgelegt, konnte er noch immer die Angst und die Verzweiflung in der Stimme am anderen Ende der Frequenz hören: “ Willi, ich hab Scheiße gebaute. Richtige Scheiße! Diesmal hab ich versaut. Verkackt hab ichs Alter, richtig verkackt!“ Fast eine Stunde hatten sie geredet und Willi hatte versucht ihn zu beruhigen, ihm einzureden, dass es ja vielleicht gar nicht so schlimm werden würde, auch wenn er wusste, dass es diesmal wirklich nicht gut ausgehen würde. Dann mussten sie auflegen. Sie hatten noch vereinbart, dass Marco sich so schnell wie möglich melden sollte. Das war vor vier Tagen. Kein Anruf, nur ein verfickter grauer Hacken bei WhatsApp und keine Reaktion auf Facebook. Eigentlich wusste Willi, was das bedeutete. Aber er wollte es nicht wahrhaben. Noch nicht.  Wollte sich nicht vorstellen, was das für Marco bedeutete und wie es ihm jetzt erging. Und dann schwang da noch etwas anderes mit. Marco hatte ihm am Samstag noch gefragt, ob er nicht mitkommen wollte. Einen draufmachen und so. Aber Willi hatte abgesagt. Wollte dieses Wochenende lieber ruhig angehen. Er hatte schon geahnt, dass es gefährlich werden könnte. Marco und sein Bruder, die sich seit langem nicht gesehen hatten und beide so unberechenbar waren wie die S Bahn im Winter. Aufbrausende Charaktere mit einem Hang dazu, Probleme mit Gewalt zu beantworten. Hätte er mitkommen müssen? Hätte er es verhindern können? Oder wäre er womöglich selbst hineingeraten in diesen Schlamassel? Willi lief die endlosen Stufen zur U Bahn Turmstraße hinunter und ließ sich kraftlos auf den ersten Gitterstuhl am Bahnsteig sinken. Er holte sein Handy aus der Tasche und öffnete WhatsApp. Der Haken war noch immer grau. Und einsam. WB

 

 

merkunwürdiges Verhalten

Willi chattete mit einer Freundin. Irgendwie kamen sie auf das Thema Mobiltelefone und seine Bekannte bemerkte, dass sie es sehr merkwürdig fände, dass Leute sechshundert Euro für etwas wie ein Smartphone ausgeben würden. Das sei nicht crazy, sowie die Kids in amerikanischen Jugendfilmen, sondern „einfach nur merkwürdig.“ Willi dachte, dass die meisten Dinge, die man als merkwürdig bezeichnete, eben genau dies nicht waren: merk würdig. Sie waren nicht mal würdig sich überhaupt mit ihnen zu beschäftigen, aber dennoch bleiben gerade sie einem im Gedächtnis haften, wie eine feuchte Nudel am Topfboden. Er erinnerte sich an einen Vorfall, der sich vor etwa einer Woche ereignet hatte. Er war auf dem Weg zur Ubahn, als der Gehsteig von zwei etwa 14 Jahre alten Jungen blockiert wurde, die mit dem Rücken zu ihm beide auf Ihre riesigen Smartphones starrend – die hatten bestimmt tausend Euro gekostet – einen Punkt vor ihnen fixierten. Mit ihren überdimensionalen, weißen Sneakern und ihren glänzenden Jogginghose sahen sie aus wie eine Zwillings- Miniversion von Kayne West. Schwer zu sagen, ob sie schlimmer waren oder Kayne. Er wollte zuerst verbal auf sich aufmerksam machen, entschied sich dann aber, herauszufinden, was die beiden so unglaublich fesselte. In diesem Moment drehten sich beide synchron nach rechts und hatten ihre Blicke nun auf den Busch vor ihnen gerichtet. Nun konnte Willi es sehen. Pokémon Go. Willi handelte reflexartig. Das der Gehsteig nun nicht mehr blockiert war, spielte keine Rolle mehr – jetzt ging es um den größeren Zusammenhang der Dinge. Er stellte sich hinter die Beiden, platzierte seine Hände über ihren Rucksäcken und schubste sie dann mit Schwung in den Busch. Doch was nun passierte verstörte Willi. Instinktiv rollten sie die Beiden noch im Fallen zur Seite, so dass sie ihre Telefone schützend nach oben strecken konnten. Willi wartete auf den befriedigenden, schimpfend – wehklagenden und anklagenden Shitstorm aus den Mündern der beiden. Aber es kam nichts. Sie wendeten ihre Blicke nicht einen Moment von den Bildschirmen ab. Der dickere der Beiden röchelte schwitzend und sagte: „Ich hab ihn!“ worauf der der andere antwortete: „Ja.“ Sie rafften sich leise stöhnend auf und trollten sich wortlos mit gebanntem Blick die Straße hinunter und ließen einen ratlosen Willi zurück. Die Befriedigung des Entsetzens anderer über seine Tat war ihm verwehrt geblieben. Er wollte den Beiden am liebsten hinterherrufen: „Wollt ihr mich denn nicht beschimpfen ihr rückratlosen Pokémongos? Habt ihr keinen Anstand?“ Diese Kids waren wirklich merkwürdig. Nicht crazy wie in amerikanischen Jugendfilmen, sondern einfach nur merkwürdig. Ach ja: Eigentlich merkunwürdig. Aber da haben wir dem Gehirn ja nicht reinzureden. wl.

die Melodie der Nachmittagsbenebelung

Während das Gemisch aus Gin, Tonic und Gurken sich wellenartig seinen Weg über die Zunge in den Hals bahnte, schlugen die auf Spielwürfelgröße geschrumpften Eiswürfel wie kleine Schellen, ganz leise klimpernd, gegen die Schneidezähne und spielten die Melodie der samstäglichen Nachmittagsbenebelung. Der bittere Nachhall des Tonic ließ die Zunge Warnsignale in Richtung Kleinhirn feuern, während die Süße auf der Zungenspitze nach Mehr verlangte, wie ein Berserker im Blutrausch. Willi stellte das Glas mit einem dumpfen, holzigen Geräusch auf dem Tisch vor sich ab und konzentrierte sich wieder darauf, auf Mixcloud das Set zu finden, das er seit zehn Minuten vergeblich suchte. Aber egal wie er die Schreibweise auch änderte, hatte er kein Glück. Er wählte ein anderes Set, das auf dem selben Festival aufgenommen worden war, startete bei zehn Minuten dreißig und schickte es ohne die Lautstärke zu kontrollieren an die 3000 Watt PA fünf Meter neben ihm. Der dritte Raum feuerte mit derartiger Gewalt los, dass Willi sich reflexartig wegduckte und halbblind die Lautstärketaste am Macbook nach unten nestelte. Er hörte ein Pfeifen und blickte auf. In der offenen Balkontür der WG gegenüber stand ein Mann in Unterhosen, der mit einem breiten Grinsen im Gesicht und einer Flasche in der wippenden Hand seines angewinkelten Armes seine berauschte Zustimmung zu dem unerwarteten Innenhofrave kundtat. Willi wartete geradezu darauf, dass im nächsten Moment ein „Hyper! Hyper!“ über den Hof gegrölt würde, aber die nun wieder leisere Musik ließ den Mann in Unterhosen noch einmal in seine Richtung prosten, um dann mit seinem noch immer andauernden Grinsen wieder im Schatten des Raums hinter ihm zu verschwinden.      Die Musik und der Gin vermischten sich langsam zu dem Rauschzustand, den Willi angestrebt hatte. Er machte die Musik wieder etwas lauter. Er trank weiter und versuchte sich in die Stimmung zu versetzen, in der er gewesen war, als er das Set vor sieben Tagen live auf dem Festival zwischen hunderten von tanzenden Leuten gehört hatte. Für einen kurzen Moment glaubte sich zurückversetzen zu können, aber das schlagartig aufheulende Signal eines Krankenwagens unterbrach seinen Tagtraum. Er nahm den letzten Schluck aus dem zylinderförmigen, leicht konisch zulaufenden Longdrinkglas. Die winzigen Eiswürfel spielten noch einmal leise ihre Melodie und verschwanden aufgelöst im Strudel der Aromen um sich einzureihen in die Fahrt Richtung Blutbahn und Synapsen. wl.

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Willibald Laub – sunday pattern

Deodorant und weiße Mäuse

Er war unterwegs zu einem dieser Pflichttermine, die er zwei mal in der Woche hatte. Kaum einer wusste davon, nur seine engsten Freunde. In der Arbeit fand er jedes mal Ausreden um früher gehen zu können. Es zehrte an seinen Kräften. Aus der Arbeit kam Willi gut gelaunt. Zwar war es auch einer dieser Start- Up Hypes, die sich wenig um die sozialen und ökonomischen Langzeitauswirkungen Ihrer Weltverbesserungsapps scherten, aber immerhin gab es hier tatsächlich flache Hierarchien und Gleichberechtigung. Nicht nur leere Worte. Und die Partys waren gut. Aber nach der Arbeit durch die halbe Stadt und dann auch noch nach Charlottenburg zu fahren um einem oktroyierten Treffen beizuwohnen, schien ihm unerträglich. An der Turmstraße stieg er aus der U-Bahn und nahm den 245 Richtung Zoo. Der Bus war wie immer zu spät. Willi schwitzte wie blöd und war froh, daß er einen Platz auf der Schattenseite des Buses ergatterte. Vor ihm saß ein deutlich übergewichtiger Typ, der so erbärmlich nach Schweiß stank, dass er die Erfindund des Deodorants offensichtlich verschalfen hatte. Oder er benutzte eines dieser Deos ohne Aluminumsalze, die ètwa so efffektiv waren wie Aluhüte gegen Weltraumstrahlung. Scheiße klar Brustkrebsrisiko und so. Der Typ hatte auf jeden Fall Brüste, um die er sich Sorgen machen konnte. Willi nestelte sein Kopfhörerkabel druch sein T- Shirt und steckte die goldene Klinke mit dem schmalen grünen Ring in die Buchse. Die MP3 App startete automatisch an der zuletzt abgespielten Stelle und ballerte ihm Alex Bau B2B Dr. Motte um in die Ohren. Willi enspannte sich, atmete drei mal tief ein, um seine Nase an die schweißtragende Umgebung zu gewöhnen, rutschte ein Stück tiefer in den harten Sitz, drückte den Knopf an der Seite des Handys so lange bis es nicht mehr lauter wurde und schloß die Augen. Er dachte daran, dass die Jatravatiden das Deo schon schon bald nach der Schöpfung des Universum und sogar noch vor dem Rad erfunden hatten. Wegen ihr hundert Arme mit hundert schwitzenden Achselhöhlen mit abermillionen gestankerzeugenden Bakterien. Vermutlich hatten die Jatravatiden auch als erste in großen Städten gewohnt und auch den öffentlichen Nahverkehr erfunden. Wo sonst hätten Lebewesen zum ersten mal bemerkt, daß sie keinen Bock auf das Achselejkulat ihres Sitznachbarn haben. Hamakabula! Weiße Mäuse zogen seine Augenlieder nach unten und krallten sich dabei mit ihren Hinterfüßen in seinen Bart. Ein seltsam warmes Gefühl. Es ruckelte. Ein weiß rauschendes Zischen drang von irgendwo her. Willi schrack auf und sah aus dem Fenster an dem langsam seine Haltestellte vorbeirollte. War  er tatsächlich eingeschalfen? Diese verfluchte Müdigkeit. Immer müde. Er konnte sich nicht mehr erinnern, wie es war ausgeschlafen zu sein. Es kam ihm vor eine Erzählung, an die man als Kind geglaubt hatte und nun als Erwachsener wusste, daß es niemals mehr so sein würde. So wie Weihnachten. Er stieg  an der nächsten Haltestelle aus und lief das Stück zurück. Die Luft fühlte sich seltsam dick an. Mit einem Mal begann der Regen aus dem eben noch blauen Himmel zu fallen. Nach nicht einmal einer Minute prasselte es wie aus einer verschissenen Regenwalddusche in einrm dieser neuen Yuppiewohnungen. Willi konnte spüren, dass das Wasser bereits in seinen Schuhen stand. Er rannte die letzten hundert Meter und setzte sich nach Atem ringend auf die die unterste Stufe im Treppenhaus. Er war nass bis in die Buchse. Er strich sich das Wasser aus den Haaren und gìng hinein. Ein kurzer Wortwechsel, Geplänkel, dann rein ins Klo, Hose runter, Urinprobe abgeben. Er pinkelte aus Versehen von außen an den Becher. Aber er tat so, als habe er nichts bemerkt. Der Mitarbeiter zuckte nur leicht mit den Mundwinkeln, als er hineinlangte. Ab ins Gespräch. Wieder vor der Tuer war der Regen vorbei und nur ein paar zerfetzte, dreckig graue Wolkenschlieren waren noch am Himmel zu sehen. Die Luft war dampfig schwül und legte sich klamm auf die Haut. Aber immerhin stank es in dieser Gegend nicht nach Pisse. Nur nach Neuwagen und Spiessern. Der Bus zurück kam pünktlich. Dies mal hörte er Motorpsycho. wl

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WG Wichsclub

Willi versuchte sich zu erinnern, warum er die Polaroids an seiner Wand in dem streng linearen Muster aufgehängt hatte. Er blickte zur gegenüberliegenden Wand. Sie war voller Fotos, die so angeordnet waren wie aus seinem Instagram Profil. In der Wohnung gegenüber saßen etwa acht Personen am Küchentisch und starrten gebannt in eine Richtung als würden sie einem Vortrag lauschen. Einie tranken Bier aus Flaschen und insgesamt schien eine zwischen Spannung aus Ausgelassenheit wabernde Stimmung zu herrschen. Willi konnte sich keinen Reim darauf machen und versuchte sich wieder an den Ursprung der Polaroidanordnung zu entsinnen. Auf den Fotos war jeweils ein Foto der Fotos von den Fotos und so weiter. Es war nicht ganz so gelungen, wie er es sich vorgestellt hatte, aber er hatte  die Bilder dennoch aufgehangen. Diese scheiß Polaroids waren verdammt noch mal zu teuer um sie wegzuschmeißen. Gedämpftes Gegröle ließ ihn aufschrecken. Die Leuten in der Nebenwohnung waren allesamt aufgesprungen, riefen laut durcheinander, einige umarmten sich, andere prosteten sich zu, einer klatschte. Irgend so ein religiöser Mist? Oder eine Selbsthilfegruppe für Onaniephobie vielleicht. Womöglich hatte sich der Gastgeber soeben zum ersten Mal erfolgreich vor der ganzen Gruppe einen von der Palme gewedelt und die ersten Reihen konnten sich das Resultat seines Erfolges aus den Gesichtern wischen. Vielleicht hatte er die WG doch unterschätzt und sollte sich bei Gelegenheit mal vorstellen. Wer wusste schon, was diese Spanier so anstellten, wenn Abends die Rollos heruntergezogen wurden? Eine fette Fliege flog durch das offene Fenster und setzte sich auf die milchig weiße Tischlampe neben ìhm. Ihre Konturen waren scharf und klar vor dem leuchtend- gelblich- weißen Hintergrund der LED Lampe zu erkennen. Willi folgte eine Weile ihren Bewegungen, bis sie mit dem Hintergrund zu verschmelzen begann und langsam in das weisse Licht gesogen wurde bis sie sich mit einem mal losriss und kaum hörbar summend in Richtung der Deckenlampe verschwand. Sein Telefon vibrierte und machte gleichzeitig einen seltsamen Ton, den er schon einmal gehört zu haben sich nicht erinnern konnte. Er öffnete die Nachricht. Sie war von einem ehemaligen Arbeitskollegen, mit dem er sich gelegentlich auf ein bis zehn Bier traf. Als er gerade anfangen wollte sie zu lesen kam aus der Wohnung gegenüber plötzlich stöhnendes Wehklagen und verzagendes Rufen und wildes Fluchen. War der nächste Selbstversuch im Wichsclub etwa schief gegangen? Es wurde still in der Wohnung. Willi las die Nachticht: ¨Kuckst Du irgendwo Fußball? Hammer Spiel, oder, erst haben die Spanier so lange geführt und jetzt der Ausgleich.“ „Diese verdickte EM“ dachte Willi. „Wie ich Fussball hasse!“

dit war aber wieder…

Da war er wieder dieser Geruch. Kaum, dass die ersten ernst zunehmenden Sonnenstrahlen die schwarze Fleischabfalltonne im Innenhof aufheizten, flimmerte der süßlich- widerliche Verwesungsgeruch der Tierreste aus der Vietnamesenküche durch die unteren Schichten der Luft. Im Sommer wurde der Geruch oft so unerträglich, dass man sich fragte, ob in diesen Containern nicht doch die Leiche irgend einer armen Seele von Imbißkoch vor sich hinmoderte, der die panierten Hühnerbeine im Krabbenfett hatte schwarz werden lassen. Aber schmeckte Menschenfleisch nicht angeblich auch nach Hühnchen? Also wer konnte schon sagen, ob hier Menschen- oder Hühnerbrust die Luft verpestete…                                                                                                                                                          Mit der flachen Hand spaltete ich die dicke Luft vor mir keilförmig auseinander und hechtete durch die Lücke. Kurz bevor ich die andere Seite erreiche hatte, schloss sie sich wieder und er Kadaverdunst strömte in meine unvorbereiteten, nach Atem ringenden Nasenlöcher. Den Weg durch das dreckige, halb kaputte Treppenhaus, für dessen „Reinigung“ die Vermieterkraken jedes Jahr mehr Geld aus einem rausquetschten, verbrachte ich damit, lautstark Luft aus meiner Nase zu pusten, in der Hoffnung, die Erinnerung an das eben Erlebte so schnell wie möglich zu verdrängen. Die Nachbarin, die im dritten Stock gerade aus der Tür kam, als hätte sie hinter dem Türspion nur darauf gewartet mich abzupassen, sah mich mitleidig an und dachte auf Grund meines Schnaubens wohl, ich sei einem Herzinfarkt nahe. Auf jeden Fall meinte sie „Ach du meine Herren!“ Auch für sie seinen die vielen Stufen eine einzige Plagerei und „Ach in der alten Wohnung“ sei so eine schöner Aufzug gewesen. Ich nickte ihr, noch lauter schnaubend, in zwischen war ich wirklich außer Atem, zu und ging die letzten Stufen zum vierten Stock. Meine Nachbarin wünschte mir noch einen schönen Tag, was ich gerade so mit einem „Ihnen auch“ erwidern konnte. Keuchend stand ich vor meiner kackbraunen Wohnungstür mit den vielen Einbruchsspuren rund um das Schloss, die meisten von mir selbst, als ich mich betrunken ausgesperrt oder nur den Schlüssel in meiner Hosentasche nicht mehr gefunden hatte, die tieferen von echten Einbruchsversuchen und suchte an meinem Bund den passenden Silberbart. Ich hörte, wie meine Nachbarin noch einmal ansetzte zu reden: „Dit war aber wieder sehr laut am Wochenende!“ Das Schloss klickte und ich taumelte in meinen Flur. wl